Grunddaten zur Internetnutzung

Laut der ARD/ZDF-Onlinestudie waren im Jahr 2009 67,1 % der Erwachsenen ab 14 Jahren mindestens gelegentlich online. Im Jahr 1999 gab es 11,2 Millionen so genannte „Onliner“, 10 Jahre später sind es schon 43,5 Millionen. Bei einer differenzierten Analyse zeigen sich vor allem geschlechts- und altersspezifische Unterschiede in der Online-Welt: Männer (74,5%) nutzen das Internet häufiger als Frauen (60,1%) und Menschen über 60 Jahre sind mit nur 27,1 % Nutzungsquote in der Mehrheit so genannte „Offliner“.Andere Altersgruppen haben dagegen Nutzungsquoten von 97,5 %  (14 – 19 Jährigen) und mindestens noch 67,4 % bei den 50 – 59 Jährigen. Auch nach der Berufstätigkeit zeigen sich erhebliche Unterschiede. Menschen die sich in einer Ausbildung befinden, nutzen das Internet zu 98%, dicht gefolgt von den Berufstätigen mit 82,3 %. Abgeschlagen liegen dagegen Rentner oder nicht berufstätige Menschen mit einer Nutzungsquote von nur 34,7 %. Hier wird die „Digitale Kluft“ zwischen den Generationen und sozialen Lagen deutlich. Nach Sinus-Milieus dürften vor allem Mitglieder der traditions-verwurzelten, DDR-Nostalgischen, konsum-materialistischen und konservativen Milieus zu den Offlinern gehören.

Die durchschnittliche Verweildauer im Netz steigt stetig und beträgt derzeit 136 Minuten (Onliner), beziehungsweise 70 Minuten wenn man die Offliner mit gewichtet, und liegt damit an dritter Stelle nach Fernsehen (228 Min.) und Radio (182 Min.). Die beliebtesten fünf Anwendungen sind Suchmaschinen (82 %), E-Mail Funktionen (82 %), ziellos im Internet surfen (49 %), zielgerichtete Suche nach bestimmten Angeboten (47 %) und Homebanking (33 %). Die fünf wichtigsten Onlineinhalte sind aktuelle Nachrichten (59 %), Serviceinformationen wie Wetter und Verkehr (47%), regionale Nachrichten und Informationen (47%), Informationen aus Wissenschaft, Forschung und Bildung (45 %) sowie Freizeitinformationen und Veranstaltungen (43 %).

Social Web: Nutzung und Aktivitätsgrad
Auch die Social-Web-Angebote werden immer stärker genutzt. Das Diagramm unten zeigt die beliebtesten Social-Web-Anwendungen:

Nutzung geläufiger Social-Web-Anwendungen in %. Onlinenutzer ab 14 Jahre in Deutschland (2009: n=1212) Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2009

Allerdings gehören nicht alle Social-Web-Benutzer zu den Produzenten des „user-generated contents“. Wie das Diagramm unten zeigt, war die Mehrzahl der User im Jahr 2006 eher passiv partizipierend1.

Aktivitätsgrad der genutzten Anwendungen in %. Quelle: Gerhards, Maria u.a. in Zerfaß, Ansgar / Welker, Martin / Schmidt, Jan (Hrsg.) (2008a): Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web. Band 1 Grundlagen und Methoden: Von der Gesellschaft zum Individuum. Köln: Herbert von Halem Verlag. S. 137.

Doch nach der „OnlineNutzerTypologie“ der ARD/ZDF-Onlinestudien hat sich der „Basishabitus“ von 2006 bis 2008 von eher selektiv-zurückhaltend (2006: 54,6 %; 2008: 46 %) hin zu eher aktiv-dynamisch entwickelt (2006: 45,4 %; 2008: 54 %).3 Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass der Anteil an produzierenden und kommunizierenden Usern insgesamt bemerkbar gestiegen ist.

Onliner und ihr Verhältnis zur Politik

Bei einer Analyse der Verhältnisse zwischen Onlinern und Politikern zeigen sich die in den Artikeln „Auflösung der parteipolitischen Klassen“ und „Parteiendemokratie – Niedergang oder Revision“ beschriebenen gesellschaftlichen Tendenzen erneut. Mit Blick auf die Wahlpräferenzen der Sinus-Milieus (PDF) und den soziodemografischen Eigenschaften von Onlinern und Offlinern sind die Parteineigungen in der Online-Community nicht weiter verwunderlich. Je moderner die Grundorientierung und je höher die soziale Lage, desto wahrscheinlicher ist eine Online-Aktivität und desto wahrscheinlicher ist eine Neigung zu den kleinen Parteien Grüne und FDP. Die „digitalen Eliten“ sind vornehmlich in den Milieus der Postmaterialisten, der Modernen Performer und der Experimentalisten zu Hause.

Die Werteorientierungen der Internetnutzer und der Nutzer von Politiker-Homepages – nachfolgend zur Vereinfachung „politische Onliner“ genannt – unterscheiden sich vom Rest der Bevölkerung zum Teil deutlich. Freiheit ist für alle Internetnutzer und für politische Onliner das höchste Gut. Erst danach kommen Sicherheit und Gleichheit. Die Gründe für diese Wertorientierungen sind bei genauerer Betrachtung nachvollziehbar. Das virtuelle Netz bringt Freiheiten und Möglichkeiten, die in der realen Welt nicht für alle vorhanden sind und deshalb auch von Teilen der Internetgemeinschaft inzwischen selbstbewusst verteidigt werden, wie die heftige Netz-Debatte um das „Zugangserschwerungsgesetz“ gezeigt hat.

Einer der Schlüsselfaktoren im Internet ist die Selbstselektion. Die individuellen Auswahlmöglichkeiten jedes einzelnen Users sind enorm und müssen deshalb bei der Gestaltung von politischen Angeboten im Internet berücksichtigt werden. Manuel Merz, Herausgeber des Buches „Wahlkampf im Internet“ schreibt hierzu (2009:25):

„Für den Onlinewahlkampf bedeutet dies sehr wahrscheinlich, dass man über ein politisches Angebot im Internet nur einen bestimmten Typus des politikinteressierten Onliners erreichen kann. Wahlkampf im Internet muss sich auf genau diesen Typus konzentrieren.“

Merz beschreibt anhand einer Studie von Martin Emmer aus dem Jahr 2005 (Daten von 2002) die Eigenschaften von Onlinern, die politische Homepages nutzen. Im Jahr 2002 nutzten 30 % der Onliner (bzw. 14 % der Bevölkerung ab 16 Jahre) politische Homepages. Allerdings waren zu dieser Zeit nur 45 % der gesamten Bevölkerung online, heute sind es rund 67 %.

Die soziodemografischen Merkmale der politischen Onliner unterscheiden sich deutlich von den restlichen Onlinern und der gesamten Bevölkerung. So waren nur 30% der politischen Onliner weiblich und 70 % dagegen männlich. Rund 41 % haben Abitur oder Fachabitur (Onliner: 33 %, Bevölkerung: 20%). Der Altersschwerpunkt der politischen Onliner liegt mit 54 % bei den 26 bis 45 Jährigen, gefolgt von den 16 bis 25 Jährigen mit 25 %. Gemessen am Einkommen gehören sie klar zur oberen Schicht: 51% der politischen Onliner verfügen über mehr als 2500 Euro monatlich (Onliner: 49 %, Bevölkerung: 35 %). 39 % von ihnen leben von einem Gehalt zwischen 1000 und 2500 Euro  (Onliner: 43 %, Bevölkerung: 51 %) und nur 11% mit einem monatlichen Auskommen von unter 1000 Euro  (Onliner: 8 %, Bevölkerung: 15 %). 10 Außerdem zeigt sich, dass die politischen Onliner überdurchschnittlich an Politik interessiert sind und auch ihre eigene politische Kompetenz höher einschätzen als die Onliner oder die gesamte Bevölkerung.

Auch bei den Parteipräferenzen konnte die Studie vom Emmer zum Teil deutlich Unterschiede zwischen Onlinern, politischen Onlinern und der gesamten Bevölkerung herausarbeiten. Allerdings war der Anteil der Wähler, der zu den großen Volksparteien tendiert, auch bei den Onlinern und politischen Onlinern, im Jahr 2002 erstaunlich ähnlich. Angesichts der zuvor beschrieben gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen dürfte sich diese Ähnlichkeit aber zu Lasten von Union und SPD und vor allem zu Gunsten von Grünen und FDP verschoben haben.

Die genannten Fakten präsentieren ein relativ präzises Bild über die potenzielle Zielgruppe der Parteien im Internet. Manuel Merz fasst die Beschreibung des typischen Nutzers von politischen Websites folgendermaßen zusammen:

„Durchschnittliche Nutzerinnen und Nutzer von Politikerwebsites sind jünger als 50 Jahre und überdurchschnittlich hoch gebildet. Sie haben ein vergleichsweise hohes Einkommen, sind internetaffin und ziehen die Freiheit der Sicherheit und Gleichheit vor. Ihr Interesse an Politik ist groß und sie schätzen sich als politisch sehr kompetent ein. Sie haben eine Neigung zu einer bestimmten Partei entwickelt und verbringen einen vergleichsweise hohen Anteil ihrer gesamten Onlinezeit mit politischen Aktivitäten.“

Dieser Text ist im Rahmen meiner Master-Arbeit “Der dialogorientierte Online-Wahlkampf zur Bundestagswahl 2009″ entstanden.