Gewonnen mit 65% (2) – Landratswahl in Darmstadt-Dieburg – Faktoren des Wahlerfolgs

Dieser Artikel ist Teil einer dreiteiligen Serie über die Landratswahl am 19. April 2015 im Landkreis Darmstadt-Dieburg. politicom betreute Amtsinhaber Klaus Peter (Pit) Schellhaas, der mit 65,1 % im ersten Wahlgang gewann. Die Serie gliedert sich in folgende Abschnitte:

1. Ergebnisse in der Übersicht
2. Faktoren des Wahlerfolgs

3. Erfahrungsbericht zum Wahlkampf

2. Faktoren des Wahlerfolgs

Das gute Wahlergebnis von 65,1 % im ersten Wahlgang gegen drei Herausforderer ist nicht selbstverständlich und auf mehrere Faktoren zurückzuführen. Welche Faktoren in welcher Gewichtung ausschlaggebend waren, kann ohne Erhebungen von detaillierten Daten nicht gesagt werden. Folgende Faktoren halte ich aber für elementar:

  • Profile und Kampagnen der Mitbewerber
  • Bilanz von Amtsinhaber Pit Schellhaas
  • Starke Mobilisierung der SPD-Anhänger

2.1 Profile und Kampagnen der Mitbewerber

Dr. Werner Thomas holte 27,88 %

Wahlplakat von Dr. Werner Thomas.

Wahlplakat von Dr. Werner Thomas.

Werner Thomas, 61 Jahre und damit ältester Bewerber, ist parteiloser Bürgermeister von Dieburg, promovierter Biologe und ehemaliger Schulleiter der Edith-Stein-Schule. Er gibt sich betont konservativ und bodenständig mit grünem Anstrich: Als passionierter Radfahrer nutzt er den Drahtessel sogar für Dienstfahrten und kam auch schon auf eine Podiumsdiskussion mit dem Rad.

Ob es klug von der CDU war, den parteilosen Werner Thomas, als Landratskandidat zu nominieren, sei mal dahingestellt, erfolgreich war das Manöver jedenfalls nicht. Denn zunächst war es ein Eingeständnis der CDU: In unseren eigenen Reihen haben wir keinen Kandidaten! Dann aber gerade Thomas als Kandidaten zu nehmen, ist alles andere als selbstverständlich: Bei der Bürgermeisterwahl im „schwarzen“ Dieburg besiegte er 2005 als Parteiloser mit sehr knappen 50,3 % und 34 Stimmen Unterschied in der Stichwahl den CDU-Bürgermeister Peter Christ und fügte der Dieburger CDU erheblichen Schaden zu. Auch bei seiner Wiederwahl 2011 setzte er sich gegen CDU- und SPD-Kandidaten durch. Mindestens die Dieburger CDU dürfte also verständlicherweise „not amused“ gewesen sein als die CDU Darmstadt-Dieburg Werner Thomas vorschlug, sieht man mal von dem „Weglobungsfaktor“ ab.

Trotz des guten Nominierungsergebnisses von 90 % für Thomas entstand bei mir der Eindruck, dass nicht alle CDU-Mitglieder hinter diesem Kandidaten stehen und ihn das im Wahlkampf auch spüren lassen. Gestandene CDU-Bürgermeister aus dem Landkreis oder andere erfolgreiche CDU-Granden mit höherer Bekanntheit vor allem auch im Westkreis hätten womöglich mehr Erfolg gehabt, doch konnten diese wohl nicht zu einer Landratskandidatur für die CDU begeistert werden. Jedenfalls stand die Auswahl des Herausforderes nicht unter optimalen Startvoraussetzungen.

Inhaltlich wiederholte er im Wesentlichen die Positionen der Kreis-CDU, die im Kreistag in der Opposition sitzt. Und die CDU-Kreistagsfraktion ist gegen vieles, was die rot-grüne Koalition gemeinsam mit Landrat Schellhaas auf den Weg brachte. So war dann der Tenor der meisten Pressemeldungen: Thomas ist gegen das, Thomas widerspricht hier…  Der Funke ist nicht übergesprungen, eine zündende Idee für Politik und Wahlkampf war meiner Meinung nach nicht vorhanden. Das Negative-Campaigning verfehlte die Absicht eine Wechselstimmung zu erzeugen. Ein Wermutstropfen hat die CDU (in Dieburg): Thomas kündigte an, nicht noch einmal als Bürgermeister zu kandidieren.

Keine richtige Ost-West-Strategie und das noch zugeben!

Laut Pressebericht des Darmstädter Echos vom 4. Februar 2015 spielte die Junge Union im Wahlkampf eine wichtige Rolle. Eine Materialschlacht gab es nicht – mit 1500 Plakaten, einem Weihnachtsbrief, einem Flyer und eine paar Give-Aways war es getan. Bei den Plakaten und sonstigen Werbemitteln verzichtete die Union auf den Abdruck ihres Logos, was nicht unbedingt gut gewesen sein muss. In meinem Umfeld kritisierten auch viele die Fotos von Werner Thomas. Sinngemäß sagt ein Freund von mir, der nicht verdächtig wird, sich besonders für Politik zu interessieren:

„Jeder sieht so aus, wie er aussieht und jeder hat ein paar Macken. Aber wenn ich so ein wichtiges Bild für den Wahlkampf mache, dann versuche ich doch mich von meiner besten Seite zu zeigen. Und wenn ich es selbst nicht kann, dann habe ich Profis, die mir sagen, wie ich es machen muss“.

Recht hat er. All diese Rahmenbedingungen waren für mich Hinweise darauf, wie ernst die CDU und Werner Thomas es mit dem Wahlkampf meinten. Interessanterweise gab die CDU unumwunden zu, dass Sie keine Ost-West-Strategie habe, obwohl Thomas im bevölkerungsreichen Westkreis eher unbekannt ist. Keine Strategie bei diesem wichtigen Thema zu haben und es noch dazu in der Presse zu sagen, finde ich – vorsichtig formuliert – ziemlich merkwürdig und kontraproduktiv für den eigenen Kandidaten.

Online-Wahlkampf: Leere Versprechungen, an die er sich immerhin hält 😉

Screenshot der öffentlichen Facebook-Seite von Werner Thomas.

Screenshot der öffentlichen Facebook-Seite von Werner Thomas.

Thomas war auch in Facebook präsent und kam auf 175 Likes seiner Fanseite. Die Seite wurde allerdings nicht von ihm selbst bespielt, sondern von der Junge Union. Hier ist dann auch nicht so viel passiert. Es gab ein paar Unterstützervideos, ein paar Videos des Kandidaten sowie die üblichen Bilder und Verlinkungen auf Pressemitteilungen. Bei den Videos bin ich der Überzeugung, dass sie ihm eher geschadet als genutzt haben: Im ersten Unterstützervideo vom 14. April, welches bei Facebook öffentlich verfügbar ist, macht der erste Unterstützer einen sehr unausgeschlafenen und merkwürdigen Eindruck auf mich. Die zwei darauffolgenden Unterstützerinnen schossen dann aber wirklich den Bock ab. In einem sehr verwackelten Video sprechen sie kurz durcheinander und dann kommt der entscheidende Satz

„(…) Weil er nicht nur leere Versprechungen hat, sondern sich auch daran hält. (…)“

Ok, erst mal durchatmen, noch mal zurückspulen. Hat sie das eben wirklich gesagt?! Ja hat sie. Natürlich ist klar, was sie gemeint hat. Trotzdem hat sie gesagt, dass Werner Thomas nicht nur leere Versprechungen hat, sondern sich auch noch daran hält. Was da beim Qualitätsmanagement schief gelaufen ist? Keine Ahnung, denn eigentlich müsste es beim Sprechen, beim Durchsehen, beim Schneiden, spätestens jedoch nach dem Hochladen mal aufgefallen sein, dass das was nicht stimmt – jedenfalls reagierte niemand darauf. Selbst als ein Facebook-Kommentator auf den Fehler hinwies, passierte nichts. Noch nicht einmal eine Stellungnahme.

Die politischen Videos von Thomas sind kein gutes Beispiel für politische Kommunikation im Internet. Der Kandidat steht vor der Kamera und erzählt und erzählt und erzählt und erzählt. Kein Schnitt, keinen anderen Bilder, mehrere Minuten lang einfach nur der Kandidat – laaaaaangweilig. Mich würde wirklich brennend interessieren, nach wieviel Sekunden im Durchschnitt abgeschaltet wurde. Eine Mini-Umfrage im Bekanntenkreis und bei einem von mir gehaltenen Online-Marketing-Seminar zeigte meine Vermutung: Bereits beim Satz „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger….“ haben die meisten im Kopf schon abgeschaltet und hatten keine Lust mehr weiter zu schauen.

Fazit: Meinem Eindruck nach war das ein halbherzig geführter Wahlkampf, eines Kandidaten mit dem die CDU fremdelte und der auf mich den Eindruck machte als wäre Thomas eine Wahl nach dem Motto: „Hauptsache wir stellen einen gegen den Schellhaas, auch wenn wir es eher für aussichtslos halten und keine große Lust haben zu kämpfen.“ Thomas hat bei dem Spiel mitgemacht und sich vermutlich gut dabei gefühlt, von der Partei, der er inhaltlich wohl am nächsten steht, hofiert zu werden. Böse Zungen behaupten auch: Thomas hat sich von der CDU vor den Karren spannen lassen und es nicht gemerkt. Ob das stimmt? Keine Ahnung, soll sich jeder sein eigenes Bild machen…

Peter Löwenstein holte 2,91 %

Wahlplakat von Peter Löwenstein.

Wahlplakat von Peter Löwenstein.

Pirat Peter Löwenstein, 56 Jahre und damit zweitältester Bewerber, ist Geschäftsführer einer IT-Beratungsfirma und sowohl parteienmäßig als auch geschäftlich viel rum gekommen. Er war bei der SPD (bzw. Jusos), bei den Grünen und ist nun bei den Piraten gelandet. Für die war er auch mal Fraktionsgeschäftsführer im Kreistag und sollte sich somit in der Kreispolitik auskennen. Thematisch setzte er neben Integration, ÖPNV und einigen anderen auf Special-Interest-Themen wie Hebammen, Regionalmarketing und Freifunk was allerdings nicht den erhofften Wahlerfolg brachte. Ob die Piratenpartei ihm hier genutzt oder eher geschadet bleibt fraglich. Im direkten Vergleich mit dem Einzelbewerber Christoph Zwickler scheint es ihm aber eher geschadet zu haben, gibt die Piratenpartei auf Bundesebene seit einigen Jahren (!) doch ein unkoordiniertes und zerstrittenes Bild ab.

Bemerkenswert fand ich den Umstand, dass er bei Podiumsdiskussionen öfter passen musste und auf Fragen nicht antworten konnte. Klar, man kann nicht alles wissen und auf alles eine Antwort haben und natürlich ist der Amtsinhaber durch seine tägliche Arbeit mehr in den Themen drin als andere. Was aber einfach nicht passte war der von Löwenstein kommunizierte und durch seine Art suggerierte Anspruch und die Wirklichkeit in der Praxis. Von einem ehemaligen KT-Geschäftsführer, der jahrelang über Kreispolitik bloggte, dürfte das wählende Volk eigentlich mehr Antworten erwarten. Schließlich war er nach Schellhaas der Kandidat, der der Kreispolitik durch seine Tätigkeiten am nächsten stand.

Gut fand ich, dass er viele Videos zu unterschiedlichen Themen bereitstellte. Schlecht fande ich daran die Machart. Ähnlich langweilig wie bei Werner Thomas. Der Kandidat steht vor der Kamera und spricht und spricht und spricht. Dramaturgie etc. – Fehlanzeige.

Ein gutes Beispiel für eher ungeschickte Wählerkommunikation war das Schlusswort von Peter Löwenstein in einer Podiumsdiskussion. Nach dem moderierten Part, gab es eine Fragerunde mit dem Publikum. Die meisten Fragen gingen an Schellhaas und Thomas. Nur eine Frage wurde an Löwenstein gestellt. Zum Abschluss dann sollten alle Kandidaten noch mal kurz Person und Programm erläutern. Doch Löwenstein, der offenbar beleidigt war, weil er nur eine Frage gestellt bekam, verzichtete auf die Erläuterung und sagte sinngemäß: „Ich verzichte darauf, weil sie sich sowieso nicht für meine Positionen interessieren“. Es ist nicht nötig allen nach dem Mund zu reden und so zu tun als gäbe es Schnittmengen, wenn es keine gibt. Nur aus einer Podiumsdiskussion Desinteresse abzuleiten, weil es nur eine Frage an ihn gab, ist sehr kurzsichtig. Somit verprellt man ohne Not Wähler.

Einen Flyer habe ich von Löwenstein nicht gesehen, was nicht heißt, dass es keinen gab. Nur bei mir kam keiner an. Plakate gab es nach öffentlich einsehbaren Protokollen etwas mehr als 400. Ansonsten gibt es im öffentlich einsehbaren Piraten-Wiki noch ein paar Infos und Hinweise zum Wahlkampf.

Fazit: Die Piraten haben einen sehr reduzierten Wahlkampf geführt, was sicherlich auch an der Finanzkraft der Partei gelegen haben könnte. Was der Sinn dieser Kandidatur war, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Vermutlich spekulierten sie darauf, dass je mehr Kandidaten vorhanden sind, die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl steigt. Zumindest deuten die Sondierungsgespräche der Piraten für den Fall einer Stichwahl hin.

Christoph Zwickler holte 4,07 %

Wahlplakat von Christoph Zwickler.

Wahlplakat von Christoph Zwickler.

Christoph Zwickler, 52 Jahre alt, jüngster Bewerber aus Mühltal, Diplom-Ingenieur und selbstständig mit einem Winterdienst war der letzte Kandidat auf dem Wahlzettel. Als einzelner Kandidat ohne Partei im Hintergrund war Zwickler meiner Wahrnehmung nach präsenter als Löwenstein, was das bessere Ergebnis erklären könnte. Bei der Echo-Podiumsdiskussion machte er von den Herausforderern auf mich den besten Eindruck. Zwar waren manche Antworten etwas strange und stießen einen vor der Kopf. Zwickler verstand es jedoch auch mal einen guten Witz zu machen und sich selbst nicht so ernst zu nehmen, was sympathisch wirkte und dem Publikum regelmäßig ein (positives) Lachen oder Schmunzeln abrang.

Auf seiner Homepage bot er mehr Inhalte als Peter Löwenstein und Werner Thomas, aber deutlich weniger als Pit Schellhaas. Seine Themen waren auch keine Special-Interest-Themen wie bei Löwenstein, sondern handfeste wie z.B. Wirtschaft und Finanzen, Gesundheit oder auch Schule. Wie das Wahlergebnis zeigte, konnte er von seiner Bürgermeisterkandidatur 2013 in Mühltal profitieren. Dort holte er mit 9,59 % sein bestes Ergebnis.

Dass er als Kandidat mit einer gehörigen Portion Witz und Chuzpe antrat, zeigte sehr gut sein Plakat. Wer genauer hinschaute, entdeckte unten den Text „Besser für Darmstadt-Dieburg“, was auf den Slogan von Pit Schellhaas „Gut für Darmstadt-Dieburg“ gemünzt war. Ansonsten hätte ihm ein bisschen Beratung bei der Gestaltung des Plakats sicherlich genutzt. Die Texte sind zu klein und zuviel und die Kontraste schwierig.

Positiv fand ich auch hier, dass er Videos als Element eingesetzt hat, leider aber im gleichen Stil wie die anderen beiden Herausforderer von Schellhaas. Sprich: Vor der Kamera sitzen und das wars dann. Ähnlich wie Peter Löwenstein habe ich von Christoph Zwickler außer dem Plakat und der Homepage nichts gesehen, sprich kein Flyer oder Give-Away. Dem Anschein nach, muss er aber deutlich mehr Plakate als Löwenstein gehabt haben, sprich über 400 Plakate.

Fazit: Zwickler versuchte sein Glück und hatte im Wahlkampf etwas erfrischendes, weil er nicht so verkrampft wie andere Kandidaten rüberkam und auf mich sympathisch wirkte. Chancenlos war er dennoch, weil dem erfrischend-unverkrampften auch etwas leicht merkwürdiges beiwohnte, und ich bei manchen Aussagen und Antworten den Kopf schütteln musste.

 

Gesamtfazit: Keiner konnte Schellhaas wirklich gefährlich werden

Mein Fazit zu den Kandidaten: Es war keiner dabei, der Schellhaas wirklich hätte gefährlich werden können. Die Möglichkeit einer Stichwahl haben wir im Orga-Team zwar in Erwägung gezogen, weil mit jedem zusätzlichen Kandidaten die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl grundsätzlich steigt. Wir sind aber zu keiner Zeit davon ausgegangen, dass Schellhaas die Wahl verlieren könnte. Dazu waren die Kampagne der Mitbewerber zu lasch und die Kandidaten auch wenig angriffslustig. Manche Kandidaten demontierten sich durch ihre Art und ihr Auftreten oder durch vergangene Probleme in Teilen selbst. Das macht es in der Steuerung und Umsetzung einer Kampagne natürlich deutlich einfacher.

2.2 Bilanz von Amtsinhaber Pit Schellhaas

Die Bilanz von Schellhaas kann sich sehen lassen. Klar muss ich das sagen, weil wir seinen Wahlkampf gemacht haben. Aber unabhängig von meiner Befangenheit, sind
1. einige wichtige Projekte (Breitband, Gesundheit, Bildung) angeschoben worden und
2. keine gravierenden Fehler in den vergangenen sechs Jahren passiert.

Als Pit Schellhaas sein Amt im Herbst 2009 antrat, wütete immer noch die schwerste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg, die auch ihre Spuren im Landkreis hinterließ. Durch eine kluge Politik und allgemein günstige Rahmenbedingungen wie z.B. hohe Wirtschafts- und Kaufkraft, konnte der Landkreis die Krise sehr gut überstehen.

In allen wichtigen Themenbereichen, die Schellhaas besetzte und für die der Kreis auch zuständig ist, konnte der Landrat eine gute Bilanz vorzeigen. Beim Breitbandausbau war es gutes Verhandlungsgeschick und eine Portion Glück, dass die Deutsche Telekom nun doch für den Landkreis und die beteiligten Kommunen ein Breitbandnetz baut und zwar für weniger als 4 Millionen Euro. Wäre es zu den ursprünglichen Plänen gekommen, bei denen der Landkreis selbst gebaut hätte, lägen die Kosten bei rund 50 Millionen Euro. Da die Bauarbeiten durch den milden Winter 2014/2015 deutlich schneller vorangegangen sind als geplant, konnten bereits im Frühjahr 2015 erste Kommunen an das Breitbandnetz angeschlossen werden und proftieren nun von Downloadraten von bis zu 50 MBit/s.

Im Bereich Bildung und Schulen investierte der Kreis in den vergangenen Jahren sehr viel Geld (bis 2019 sollen es 400 Mio. Euro sein), um sie technisch und energetisch auf den neuesten Stand zu bringen. Das dürfte an Eltern und Großeltern schulpflichtiger Kinder nicht einfach vorbei gegangen sein. Weiterhin sanierte und optimierte der Landkreis die kreiseigenen Krankenhäuser. Schellhaas legte zudem ein Konzept zur Gesundheitsversorgung im Kreis vor, mit dem er die ärztliche Versorgung, vor allem in den ländlichen Gebieten des Landkreises sicherstellen will. Bei der ganzen Debatte um das Thema Gesundheit zeigte sich bei einigen Herausforderern öfters eine bemerkenswerte Unkenntnis über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Gesundheitsversorgung: Denn der Kreis ist per Gesetz verpflichtet, die Gesundheitsversorgung sicherzustellen, ob dieser Bereich defizitär ist oder nicht. Der Kreis kann es an private Anbieter delegieren, die Verantwortung und gesetzliche Verpflichtung bleibt aber beim Kreis. Und ob private Anbieter immer die besten sind, ist auch nicht gesagt, gab es in der Vergangenheit doch einige Skandale, um privat betriebene Krankenhäuser und sinkende Qualitätsstandards.

Auch die schwäbische Hausfrau macht Schulden, wenn sie sinnvoll sind

Der Haushalt war zwar ein Thema, aber kein nennenswertes, weil der Haushalt dafür weder zu gut noch zu schlecht war und das Thema einfach zu abstrakt ist. Klar der Kreis hat Schulden, doch welcher Kreis in Hessen hat keine Schulden. Herausforderer Werner Thomas setze sehr stark auf dieses Thema, ohne es mit emotionalen Geschichten zu flankieren, was der Erzählbarkeit dieses Thema dienlich gewesen wäre. Blöd für Thomas war, dass Schellhaas Ende März / Anfang April das Rechnungsergebnis von 2014 mit einer schwarzen Null vorlegen konnte. Das nahm Thomas den Wind aus den Segeln bei der immer gleichen Leier, der Landrat könne nicht mit Geld umgehen. Die Angriffe von der CDU verfingen bei einer solchen Bilanz dann auch nicht wirklich. Dennoch trommelte die CDU zum Thema Haushalt konstant, aber mit wenig Erfolg.

Die Erfahrung, auch in diesem Wahlkampf, zeigt, dass Haushalt und Finanzen schwierige und daher kaum relevante Themen sind. Vor allem stellt sich gerade beim Schulden machen immer die Frage, für was Schulden und im welchem Rahmen Schulden gemacht werden. Aus der alltäglichen Praxis kennen die Menschen dieses Prinzip: Denn wer ein Haus, eine Wohnung oder ein Auto gekauft hat und es nicht direkt bezahlen konnte, musste eine Finanzierung dafür abschließen – selbst die schwäbische Hausfrau weiß das und macht das. Das sind zwar Schulden, aber eben für einen sinnvollen, werthaltigen Zweck. Anders sieht es dagegen aus, wenn Menschen Kredite aufnehmen, um in den Urlaub zu fahren oder einfach zu konsumieren und einzukaufen. Das ist weniger nachhaltig und kann je nach Finanzlage der betreffenden Person auch kritisiert werden. All das trifft auf den Kreis und Schellhaas aber nicht zu. Und das haben die Wähler besser als die CDU verstanden.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Schellhaas seinen Konkurrenten nur wenig Angriffsfläche bot und insgesamt einen guten Job gemacht hat. So sahen es offenbar auch die meisten Wähler. Wer zufrieden ist, wählt entweder den Amtsinhaber oder geht vll. gar nicht zur Wahl. Eine Mischung aus beidem konnten wir am 19. April 2015 sehen.

2.3 Starke Mobilisierung der SPD-Anhänger

Was letztlich zur starken Mobilisierung der SPD-Anhänger beigetragen hat, lässt sich nur vermuten, da keine Studien hierzu durchgeführt wurden. Fakt ist, dass Schellhaas auf allen Kanälen und auch persönlich omnipräsent war, sehr intensiv mit der Partei kommuniziert und sie vor allem bei allen wichtigen Schritten im Vorfeld mitgenommen hat. Meinem Eindruck nach entspricht das Wahlergebnis ziemlich gut dem Wahlkampf und der Präsenz im Wahlkampf. Ich möchte jetzt nicht die Ergebnisse und Erfahrungen für den dritten Teil dieser Serie vorweg nehmen, einige Dinge sollten jedoch erwähnt werden.

Zu Beginn des Wahlkampfs, war für das Organisations-Team um Pit Schellhaas klar, dass die Mobilsierung der eigenen Leute eines der wichtigsten strategischen Ziele sein wird, um die Wahl zu gewinnen und die Wahlbeteiligung zu steigern. Denn die eigenen Leute und davon hat die SPD über 3000 im Landkreis gehören zu den besten Mulitplikatoren. Erreicht haben wir das Ziel, in dem wir die SPD-Mitglieder völlig unabhängig von Funktion und Amt intensiv eingebunden haben. Es gab eben nicht die klassische und oft sehr langweilige Wahlkampfkommission, sondern das „Team Pit“ bei dem alle SPDler mitmachen konnten. In Wahlkampfwerkstätten und Online-Umfragen wurden wichtige Entscheidungen für den Wahlkampf getroffen. Das erhöhte die Motivation sich im Wahlkampf zu engagieren.

Mehr zu diesem Thema im nächsten Teil der Serie!

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