Vor zwei Wochen ist es passiert: Mit einer nach 1945 für die USA und alle westlichen Demokratien bislang beispiellosen Wahlkampagne ist Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Dieser Wahlkampf wird als bislang schmutzigster und härtester Wahlkampf in die Geschichte der amerikanischen Präsidentschaftswahlen eingehen, die an brutalen Wahlkämpfen wahrlich nicht arm ist. Rassismus, Sexismus, persönliche Beleidigungen und Gruppenbeleidigungen am laufenden Band, ständige Tabubrüche und Regelverletzungen und offene Missachtung einfachster demokratischer Spielregeln: Das alles war Trumps Kampagne, der hierfür jetzt auch noch mit dem Einzug ins Weiße Haus belohnt wird. Bei aller moralischen Empörung darf aber eines nicht übersehen werden und dies muss man Donald Trump lassen: Er ist eben gerade kein Dummkopf, sondern ein außerordentlich geschickter Populist mit viel politischem Instinkt und großen Entertainment-Qualitäten. Zudem ist er ein brutaler (Wahl-)Kämpfer, der niemals aufgibt und wie ein Raubtier die Schwachstellen der Gegner wittert und dann gnadenlos angreift und zubeißt. Außerdem hatte er einen für seine Kampagne super geeigneten Slogan: „Make America great again!“ Das weckte bei vielen älteren Amerikanern Nostalgie. Schon bei der Auswahl des Slogans zeigte Trump sein gutes politisches Gespür. 

Die republikanischen Vorwahlen: „Big Donald“ gegen „low-energy-Jeb“, „lyin` Ted“ und „little Marco“

Bei den vielen Skandalen rund um die Trump-Kampagne, die nicht zu zählen sind, wird ein Skandal meistens komplett übersehen: Vor lauter Sexismus und Rassismus wurden die Vernichtungsfeldzüge gegen alle politischen Gegner weitgehend übersehen. Jede/r, der/die Trump hätte gefährlich werden können, wurde mit einem fiesen Spitznamen überzogen. Das war brutal und genial zugleich. Alle Spitznamen wurden von Trump ständig wiederholt und prägten sich dem Publikum somit ein. Alle Spitznamen waren genial ausgewählt. Sie passten zu den Gegnern, steckten sie in eine für sie schreckliche Schublade, aus der sie kaum oder gar nicht mehr herauskamen. Das begann mit dem ursprünglichen Favoriten bei den republikanischen Vorwahlen, Jeb Bush. Der Bruder des 43. Präsidenten und Sohn des 41. Präsidenten schien gute Chancen auf die Nominierung zu haben. Er wurde von Trump nicht ausgestochen, sondern regelrecht politisch geschlachtet. Bush musste von Trump üble persönliche Attacken über sich ergehen lassen. Trumps verbale Ausfälle ließen in Bushs Gesicht mehrfach Fassungslosigkeit zurück. Doch Trump war zwar brutal, aber originell. Er hatte stets die Lacher auf seiner Seite. Die anderen republikanischen Kandidaten standen der regelrechten Vernichtung Bushs durch Trump weitgehend positiv gegenüber. Schließlich wurde so ein Rivale eliminiert…..doch bald sollte es sie treffen! Als einziger aus einem großen Kandidatenfeld verweigerte Trump die Zusicherung, er würde den republikanischen Kandidaten in jedem Fall unterstützen, wenn er selbst nicht die Vorwahlen gewinnen würde. Dies war ein klarer Tabubruch. Den noch größeren Tabubruch hatte er zuvor begangen, als er bei der Verkündung seiner Kandidatur illegale Einwanderer aus Mexiko als „Drogendealer“ und „Vergewaltiger“ bezeichnete. Trump setzte den Ton und die Themen – das sollte bis zum Ende des Wahlkampfs so bleiben….

Der Spitzname „low-energy-Jeb“ war bösartig, aber treffend. Bush war ein eher dröger und farbloser Kandidat. Als Bush sich zu wehren begann, verspottete ihn Trump, er habe inzwischen mehr Energie aufgenommen. Außerdem verspottete er Bush, wenn der den „tough guy“ spielen wollte. Bush wurde als Person regelrecht vernichtet. Die Familie Bush brach daraufhin mit Trump. Der Kandidat Bush gewann keine einzige Vorwahl und schied sang- und klanglos und gedemütigt aus. Politisch hatte ihm Trump vor allem vorgeworfen, er sei lasch bei der illegalen Einwanderung. Gesteigert wurde dies durch einen bösartigen Tweet Trumps – Trump twitterte den ganzen Wahlkampf für seine große Fan-Gemeinde – über Bushs Ehefrau, die mexikanische Wurzeln hatte. Sinngemäß meinte Trump, es sei kein Wunder, dass Bush aufgrund seiner Ehefrau nichts gegen illegale Einwanderung unternehmen wolle. Nach der Vernichtung von Bush wurden Ted Cruz und Marco Rubio zu Trumps Hauptrivalen. Inzwischen hatte sich Trump in den Umfragen nach vorne geboxt. Zwar unterlag er knapp bei der ersten Vorwahl in Iowa, siegte aber kurz darauf hoch in New Hampshire. Damit begann sein Siegeszug. Fortan wurden Rubio und Cruz ins Visier genommen, Bush wurde uninteressant. Rubio und Cruz feuerten auf Trump aus allen Rohren, um noch schlimmere Granaten um die Ohren zu bekommen. Wenn Cruz Trump als „liberalen New Yorker“ angriff, den man nicht wählen könne, dann konterte Trump, die New Yorker seien wundervolle Menschen, das habe man am 11. September gesehen, Cruz beleidige Helden. Jeder Schlag wurde mit zwei härteren Gegenschlägen beantwortet. Je mehr Trump attackiert wurde, um so besser und schlagfertiger wurde er. Es machte ihm Spaß. Cruz, der eine etwas unglückliche Nase besitzt, die ein bisschen an Pinochio erinnert, wurde als „lyin` Ted“ apostrophiert. Gleichzeitig griff Trump die Frau von Cruz an, sie sei hässlich. Zudem twitterte er Falschmeldungen, Cruz Vater sei am Attentat an John F. Kennedy beteiligt gewesen. Insofern entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Trump andere als Lügner bezeichnet. Cruz, Senator aus Texas, biss sich an Trump die Zähne aus. Gleiches galt für Marco Rubio, Senator aus Florida. Er wurde von Trump nur als „little Marco“ bezeichnet. Mit seinem jungenhaften Gesicht bekam er somit den Ruf eines politischen Leichtgewichts. So bezeichnete ihn Trump auch. Als sich Rubio dagegen wehrte, meinte Trump, okay, er sei doch kein ganz so großes Leichtgewicht, wie gedacht. Auch Rubio biss sich an Trump die Zähne aus.

Trump genoss die Skandale, er kippte gerne Öl ins Feuer: Einen Sturm der Entrüstung erntete er, als er vorschlug, allen Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern. Aber auch das schadete ihm nicht, im Gegenteil: Die Hälfte der Amerikaner fand seine Forderung gut, bei den Republikanern sogar deutlich mehr als die Hälfte. Eine weitere Provokation war der angekündigte Bau einer Mauer nach Mexiko, um die Grenze besser zu sichern. Für diese solle Mexiko bezahlen. Präsident Obama unterstellte er, er sei gar kein Amerikaner, sondern in Wirklichkeit Kenianer. Diese Liste kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sie ließe sich fast beliebig erweitern. 

Trump schlug überraschend schnell alle Gegner aus dem Feld. Es war bald klar, dass er republikanischer Kandidat werden würde. Gerade weil er kein Politiker aus Washington war, kam er bei den Leuten gut an. Als erfolgreicher Geschäftsmann würde er Arbeitsplätze schaffen. Zudem sei er als Milliardär nicht auf Spender angewiesen und nicht von diesen abhängig, anders als die ganzen Berufspolitiker. Dieses Argument zog. Zudem hatte er mit dem Thema illegale Einwanderung ein wichtiges Thema gesetzt. Gleiches galt für das Thema Handel. Ein weiter Grund für seine Beliebtheit: Er war schlicht sehr unterhaltsam. Einen besonders bemerkenswerten Sieg in den Vorwahlen erzielte er in Nevada, wo ihn auch viele Latinos wählten – trotz seiner Ausfälle gegen illegale Einwanderer aus Mexiko. Warum ihn Gruppen wählten, die er übel beleidigte, ist kaum rational zu erklären. Sein Sieg in Nevada, gerade auch bei den Latinos, zertrümmerte jedenfalls das Argument, er würde bei Latinos wegen seiner rassistischen Ausfälle keine Stimmen holen können. Trump war die Kandidatur nicht mehr zu nehmen. Nun wurde es Zeit, sich auf die beiden möglichen demokratischen Gegner in der Hauptwahl einzuschießen.

Big Donald“ gegen „crooked Hillary“ und „crazy Bernie“

Das demokratische Vorwahlrennen zwischen Hillary Clinton und Bernie Sanders dauerte länger als die republikanischen Vorwahlen. Trump hatte mehr als 15 Gegner überraschend schnell aus dem Feld geschlagen. Er konnte sich somit früher für die Hauptwahl positionieren. Seine Themen illegale Einwanderung, Innere Sicherheit, Handel und Schaffung von Arbeitsplätzen mit der Hilfe von Steuersenkungen setzte er früh. Mit Mike Pence nominierte er einen christlichen Konservativen als seinen Vize, um den christlich-konservativen Flügel der Republikaner ruhig zu stellen. Der zum dritten Mal verheiratete Trump war nicht deren Wunschkandidat. Pence war eine schlaue Wahl. 

Hillary Clinton bezeichnete er fortan nur noch als „crooked Hillary“, korrupte Hillary (die aus dem sowieso korrupten Establishment aus Washington kommt). Aufgrund ihrer vielen Parteispenden von der Wall Street und der hohen Rednerhonorare vor Banken der Wall Street war dieser Spitzname ebenfalls brutal, aber geschickt gewählt. Sehr viele Demokraten hatten nämlich ebenfalls genau damit ein Problem, Hillary Clintons Nähe zur Wall Street. Trump konnte dem wieder sein beliebtes Argument entgegensetzen, dass man ihn als Milliardär nicht kaufen könne. Zudem attackierte er Clinton für ihr Fehlverhalten in der sogenannten E-Mail-Affäre als Außenministerin, als sie dienstliche E-Mails über einen privaten Server laufen ließ. Zudem kritisierte er Clinton für ihre Außenpolitik als Senatorin und Außenministerin. Hier kritisierte er sie mal als zu lasch (Iran) oder als zu scharf oder kriegerisch (Zustimmung als Senatorin zum Irak-Krieg, Syrien, Russland). Die wesentlichen Themen für den Hauptwahlkampf waren gesetzt.

Trump war ebenso darauf vorbereitet, gegen Bernie Sanders anzutreten. Diesen nahm er auf seinen Veranstaltungen zur großen Belustigung seiner Anhänger regelrecht auseinander. Der demokratische Sozialist Sanders war für Trump stets der „Kommunist“. Als Kosenamen verpasste ihm Trump: „Crazy Bernie“. Das untermauerte er mit Sanders kühnen Steuererhöhungsplänen, was dieser „Kommunist“ alles den Amerikanern weg versteuern wolle. Das brachte ihm auf seinen Veranstaltungen Zustimmung ein, dass dieser ungewöhnliche Senator aus dem ultral-liberalen Vermont wirklich ein „Kommunist“ und „crazy“ sein müsse, wenn er solche Pläne habe. Gleichzeitig griff Trump die liberalen Medien an, die Sanders nicht als das bezeichnen würden, was er in Wirklichkeit sei: Ein Kommunist! Er nehme da kein Blatt vor den Mund. Der selbst erklärte demokratische Sozialist Sanders ist natürlich kein Kommunist, aber Trump und seine Anhänger machten da keinen Unterschied. Als sich Sanders bei einer eigenen Wahlkampfveranstaltung das Mikrofon von jungen Aktivistinnen der Bewegung „Black lives matter“ wegnehmen und sich von der Bühne schubsen ließ, war das für Trump ein gefundenes Fressen: Unter dem begeisterten Gejohle seiner Anhänger machte Trump Sanders gekonnt comedy-reif nach, wie der sich von der Bühne hat schubsen lassen. Der eigentlich harmlose Vorfall wurde von Trump folgendermaßen politisch aufgeladen: Ein Präsident, der sich von jungen Frauen herumschubsen und das Mikro wegnehmen lässt, der wird garantiert auch niemals ISIS stoppen! Sanders wurde zum Gespött von Trump und dessen Anhängern. In einem Wahlwerbespot Trumps wurde der Vorfall aufgegriffen und betont, dass einer wie Sanders wohl kaum in diesen gefährlichen Zeiten die USA verteidigen könne, wenn er nicht mal sein Mikrofon verteidigen kann! Gleichzeitig betonte Trump unter dem Jubel seiner Anhänger, ihn werde garantiert keiner so einfach von der Bühne schubsen! Der Ton für den Wahlkampf gegen Sanders war gesetzt, der erfolgreiche Geschäftsmann, der Arbeitsplätze schafft, gegen den Kommunisten, der den Amerikanern deutlich die Steuern erhöhen will und sich als liberales Weichei einfach so bei der eigenen Veranstaltung von jungen Frauen von der Bühne schubsen und das Mikro wegnehmen lässt. Mit Sanders Niederlage gegen Clinton wurde er aber für Trump weitgehend uninteressant. Dennoch ist es bemerkenswert, wie geschickt der Politneuling Trump seine Fan-Gemeinde bereits auf die beiden möglichen Gegenkandidaten frühzeitig vorbereitete, bevor der eigentliche Wahlkampf begann. Es ist hierbei äußerst wahrscheinlich, dass Sanders gegen Trump vollkommen untergegangen wäre.

Hillary Clinton hatte sich zwar gegen Sanders mühsam durchgesetzt. Aber nun wurde sie von Trump dafür verspottet, dass sie gegen „crazy Bernie“ so viele Probleme hatte und offenbar nicht mal einen „Kommunisten“ leicht schlagen könne, weil sie so unbeliebt sei. Er habe hingegen mehr als 15 Kandidaten in viel schnellerer Zeit in seinen Vorwahlen eliminiert. Hiermit hatte er objektiv recht, auch mit Clintons Unbeliebtheit. Bei allen Lügen und Gemeinheiten traf Trump immer wieder bei seinen Gegnern einen ganz empfindlichen Nerv. Gleiches galt für den Spott über Hillary Clintons eher hölzerne und steife Wahlkampfauftritte und er äffte bösartig ihre Stimme nach, die vielen Amerikanern nicht gefällt.

Die erste und einzige echte Gegnerin

Die Wahlkampagne für die Hauptwahl, die im Wesentlichen zwischen Juni/Juli bis November ausgefochten wurde, war wohl die härteste aller Zeiten. Trump knöpfte sich wie angekündigt „crooked Hillary“ vor. Sie war das Symbol für das korrupte Washington. Aber auch Trump musste zum ersten Mal eine Menge einstecken. Jede üble rassistische oder sexistische Äußerung Trumps wurde ausgegraben und in Clintons Wahlkampfspots verwendet. Trump sendete brutale Spots gegen Clinton. Die Beliebtheitswerte von beiden Kandidaten sanken auf ein Allzeittief. So unbeliebt war noch nie der/die demokratische Kandidatin oder der republikanische Kandidat. Trump verlor gegen Clinton alle drei TV-Debatten. Das war für ihn eine neue Erfahrung, in den Vorwahlen hatte er alle Debatten gewonnen. Zum ersten Mal hatte er eine Gegnerin, die ihm gewachsen war. Eine alte Videoaufnahme, die Anfang Oktober erschien, schien Trump zu erledigen. Trump hatte sich auf dem Band unvorstellbar sexistisch geäußert und mit sexuellen Belästigungen gegenüber Frauen geprahlt. Doch Trump gab nicht auf auf: Er entschuldigte sich zum ersten Mal überhaupt für irgendetwas und kämpfte verbissen weiter. Auch diverse Vorwürfe von Frauen, er habe sie sexuell belästigt, ließen Trump kalt. Das konterte er mit der ihm eigenen Chuzpe: Die Frauen seien so hässlich, die hätte er allein schon deswegen niemals belästigt. Clintons Vorwürfe, er habe lange keine Steuern gezahlt, konterte er damit, das mache ihn smart. Er wolle kein Geld an diese Politiker in Washington geben, die es sowieso nur verschwenden. Zudem sehe man daran, was die dummen Politiker in Washington für dumme Gesetze machen. Trump schien mehrfach erledigt, kam aber immer wieder zurück. Brutal kündigte er in einer TV-Debatte an, Hillary Clinton wegen der E-Mail-Affäre ins Gefängnis stecken zu wollen. Er brachte Hillarys und Bill Clintons Skandale (Bill Clinton unterstellte er Vergewaltigung, Hillary habe ihn gedeckt und alles vertuscht)  zurück ins Gedächtnis der Wähler, um von den eigenen Skandalen abzulenken. Kurz vor der Wahl passierten Trump zwei Gottesgeschenke: Das FBI gab erneute Ermittlungen gegen Clinton wegen der E-Mail-Affäre bekannt und die Krankenversicherungsbeiträge (Obama Care) wurden in wichtigen Bundesstaaten drastisch angehoben. Beides hätte für Clinton zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können.

Am Wahltag lag Trump zwar bei den Stimmen hinten, er siegte aber bei den wahlentscheidenden Wahlmännern. Er hatte deutlich mehr und vor allem die entscheidenden Bundesstaaten gewonnen. Entscheidend waren Trumps Siege in den demokratischen Hochburgen Pennsylvania, Michigan und Wisconsin. Hier siegte Trump äußerst knapp. Sofern Clinton alle drei Staaten gewonnen hätte, wäre sie jetzt Präsidentin. Hier zeigte sich erneut Trumps politischer Instinkt, dass er Siege in diesen Bundesstaaten überhaupt für möglich gehalten hatte. Alle Umfragen und Analysen hatten Clinton auch in diesen drei Bundesstaaten vorne gesehen. Hierauf hatte sich Clinton wohl auch mindestens zum Teil verlassen, ansonsten wäre sie wohl noch häufiger in Pennsylvania gewesen und früher nach Michigan gegangen. Erst am Wochenende vor der Wahl ging die Clinton-Kampagne mit Hillary und Bill Clinton sowie Präsident Obama massiv nach Michigan – zu spät. Trump, der den Bundesstaat gegen alle ungünstigen Vorhersagen kontinuierlich beackert hatte, siegte außerordentlich knapp. In Wisconsin absolvierte Hillary Clinton sogar keinen einzigen Wahlkampfauftritt seit ihrer offiziellen Nominierung. Sie wurde am Wahltag böse überrascht: Sie hatte in den Umfragen in Wisconsin 6% vorne gelegen, am Wahltag lag sie bei den Stimmen mit 1% zurück.

Ein trauriges Fazit

Aus Donald Trumps Wahlkampf lässt sich nur ein Fazit ziehen: Frechheit siegt! Es ist unglaublich, mit was Donald Trump letzten Endes alles durchgekommen ist! Nur einer der so zahlreichen Skandale, Beleidigungen und Vorfälle hätte bei anderen Politikern ausgereicht, um sie politisch zu erledigen. Nicht so bei Trump: Er ist zwar bei den politischen Eliten verhasst, er wird aber von einer wütenden Volksbewegung gegen Washington getragen, deren Anführer er ist. Trump hat viel versprochen und wird liefern müssen. Sofern er es nicht kann, steht aber zu befürchten, dass er kein Scheitern eingesteht, sondern viel eher neue oder alte Sündenböcke präsentiert. Er hat eine bemerkenswert (erschreckend) loyale Gefolgschaft, die ihn jeden Skandal überstehen ließ. Das kommentierte Trump, dass er auf jemanden auf der Straße schießen könne und trotzdem keine Wähler verlieren würde. Damit hat er erschreckenderweise wohl sogar recht.

Trumps Wahlkampf hat neue Maßstäbe gesetzt – nach unten. Rechtspopulisten in vielen europäischen Ländern haben seinen Wahlsieg bejubelt. Sein Wahlkampf wird zwar nicht zu 100%, aber sicher in Teilen kopiert werden. Der einzige Trost hierbei ist, dass Frauke Petry zum Beispiel nicht annähernd ein so guter Entertainer ist wie Donald Trump. Neben Trumps Brutalität und Dreistigkeit punktete er immer auch mit seinem Showtalent und seinem (rabiaten) Humor. Ohne die letzten beiden Faktoren hätte Trump die ganzen Skandale und Kontroversen nicht überstanden. Auch wenn es sich verrückt anhört: Trump bringt einfach Quote, die Leute sehen ihn gerne im Fernsehen. Lieber als Hillary Clinton und alle Berufspolitiker. Dass über 60 Millionen Amerikaner aber lieber einen politischen Anfänger (der sich aber zumindest im Wahlkampf als politisches Naturtalent erwies) einer erfahrenen Politikerin vorzogen, die sich über Jahre qualifiziert hat, das bleibt trotz allem kaum zu fassen. Teilweise spielte hier auch Sexismus eine wichtige Rolle, aber nicht die einzige.

Bald wird sich erweisen, ob Trump beim Regieren genau so ein politisches Talent sein wird, wie in der Wahlkampagne. Er startet das Amt mit schweren Hürden: Einer sehr hohen Unbeliebtheit, die Gegenkandidatin hat die Wahl eigentlich nach Stimmen gewonnen, viele von ihm beleidigte Personen und Gruppen hassen ihn, die politische Elite in Washington hasst ihn, die meisten Medien hassen ihn inzwischen, nachdem sie ihn zunächst groß gemacht haben. Das sind keine guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Präsidentschaft. Der skrupellose Wahlkampf war vielleicht erfolgreich, um gewählt zu werden, aber nicht, um zu regieren.