Du bist mitten im Wahlkampf und hast ein mulmiges Gefühl, was den Ausgang der Wahl betrifft? Dann solltest du dir die folgende Liste genau anschauen und checken, ob und wie viele Punkte auf deinen Wahlkampf zutreffen. Willst du die Wahl verlieren, dann solltest du möglichst viele Punkte abhaken 😉 Diesmal mit den persönlichen Dingen des Kandidaten:

Die Punkte 1 bis 4 findest du hier!

Verlierermethoden des Kandidaten (Persönliches)

5. Nimm den Wahlkampf auf die leichte Schulter und sei schön siegessicher!

„Ach, so eine Kampagne ist doch schnell geplant und durchgezogen.“ So mancher Bürgermeister im Amt wurde mit so einer Aussage eines Besseren belehrt und gnadenlos abgewählt. Wahlkampf kommt nicht umsonst von kämpfen. Wenn die Wähler den Eindruck haben, da ist sich jemand zu siegessicher, kann die Unterstützung schnell in Antipathie umschlagen. Niemals öffentlich erklären, die Wahl sei bereits gelaufen bzw. mache das, wenn du verlieren willst. Die Wahl verloren geben oder sich vorab zum Sieger erklären ist tödlich. Kandidaten müssen sich reinhängen in den Wahlkampf und die Leute bei jeder Wahl neu überzeugen, auch wenn sie noch so viel gute Arbeit geleistet haben. Außerdem ist es ein fatales Signal an das eigene Team und die eingefleischten Fans. Wenn ihnen das Gefühl vermittelt wird, wir gewinnen das Ding sicher, dann könnten viele Wähler auch zuhause bleiben – die Wahl scheint ja eh entschieden. Während gleichzeitig die Gegner ihre Fans richtig mobilisieren und am Ende den Sieg nach Hause fahren.

Umgekehrt funktioniert das aber auch. Der Gegner bietet scheinbar keine Angriffsfläche und die eigene Kampagne hat keine Zugkraft, was zur mangelnden Mobilisierung der eigenen Anhänger führen kann. Nach dem Motto: Für was soll ich wählen, die anderen gewinnen doch eh die Wahl. Angela Merkel hat das 2009 und 2013 mit ihrem „Nicht-Wahlkampf“ bei gleichzeitig schwacher Kampagne der Sozialdemokraten zur Perfektion getrieben und damit den Begriff der asymmetrischen Demobilisierung geprägt.

6. Übernehme dich und schätze deine Ressourcen falsch ein!

Nimm Dir von Anfang an möglichst viel vor. Erfinde jedes Rad neu. Immer lieber eine Seite mehr drucken, als weniger. Immer alles um Wochen verschieben, wenn es noch nicht 100% perfekt ist und außerdem noch aufwändiger und teurer gestaltet werden könnte. Konzentriere dich darauf, jeden Aspekt zu berücksichtigen, anstatt früh mit Kernaussagen an den Wähler heranzutreten. Versuche mit allen Wählern lange zu reden, ohne Abstriche. Verschwende möglichst viel Energie für Hardcore-Gegner: Verbringe bei Hausbesuchen am besten viele Stunden bei eingefleischten Anhängern der gegnerischen Partei oder Personen mit möglichst abstrusen Ansichten, die schon seit Jahrzehnten nicht mehr wählen waren und das auch die nächsten Jahre nicht tun wollen. Lassen dich hierbei auf möglichst lange Diskussionen mit open end ein. Gib das Geld immer mit beiden Händen aus, je teurer, um so besser, Effektivität zählt nicht. Das sind die sichersten Hinweise, völlig falsche Prioritäten zu setzen und Ressourcen und wertvolle Zeit im Wahlkampf zu verschwenden und Geld sinnlos zu verbrennen. Alles zusammen führt zur sicheren Wahlniederlage. Denn wer Hardcore-Fans des Gegners überzeugen will, dem fehlt die Zeit, die eigenen Leute und die noch schwankenden Wähler zu überzeugen.

7. Verliere dich in Details und sei schön perfektionistisch!

Gute Planung ist die halbe Miete – das bleibt auch richtig und wichtig. Aber jeder erfahrene Wahlkämpfer weiß auch, dass Improvisation und Mut gefragt ist. Das gilt besonders für die letzten Tage und Wochen im Wahlkampf. Oft muss ein Angriff schnell gekontert, ein neues Thema sofort besetzt oder eine aufkommende Krise umgehend abgewendet werden. Da kann man nicht immer alles bis ins letzte Detail planen – sonst ist der Zug abgefahren und wichtige Punkte für den Wahlsieg gehen an den politischen Gegner.

8. Mache alles selbst, vertraue niemandem und setze die falschen Prioritäten!

Ein Kandidat muss spätestens in der heißen Phase, also 6-8 Wochen vor der Wahl, raus, raus, raus – also raus zu den Wählern. In dieser Zeit darf sich ein Kandidat nicht mehr um organisatorische Details für eine Veranstaltung kümmern oder irgendwelche Kleinigkeiten abstimmen. Dafür ist ein gutes und vertrauenswürdiges Team nötig, das dem Kandidaten soviel Arbeit wie nötig abnimmt. Denn wie schon erwähnt: Kandidaten müssen raus zu den Wählern, um sich bekannt zu machen und die Wähler zu überzeugen.

Das Thema geht eben auch einher mit falscher Prioritätensetzung. Im Zweifel gilt: Jeder direkte Wählerkontakt und jede direkte Vorbereitung für einen Wählerkontakt (z. B. Vorbereitung Podiumsdiskussion) ist wichtiger als irgendeine andere Arbeit. Ein Kandidat, der z. B. lieber seine Plakate selbst hängt, weil die anderen es bisher nicht so perfekt gemacht haben, wie es sich der Kandidat vorstellt, hat den Schlag nicht gehört. Denn kaum einen Wähler interessiert es, ob Plakate perfekt hängen. Es fällt aber sehr wohl auf, wenn ein Kandidat schlecht vorbereitet in eine Podiumsdiskussion geht oder sich im Ort nicht blicken lässt.

9. Diskutiere ordentlich und sei schön sachlich ohne Emotion!

Du wunderst dich, warum so ein Punkt in dieser Liste auftaucht? Nicht ganz zu Unrecht. Richtig ist: Gute Sachkenntnis und ein klarer eigener Standpunkt sind die Voraussetzungen für eine gute Debatte und ohne Ahnung wird es schwer, eine Wahl zu gewinnen. Richtig ist aber auch, dass eine gute Debatte Kopf und Herz bedient. Sehr viele Politiker verlieren sich im sachlichen Klein-Klein und referieren Zahlen, die sich eh kaum einer merkt, anstatt die große Linie zu erzählen. Eine gute Geschichte aus dem Leben, die die Probleme der Menschen und vor allem den Lösungsansatz des Kandidaten klar umreißt, merken sich die Leute viel lieber als Zahlenkolonnen und Standard-Phrasen. Emotion ist genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als Ratio. Eine Prise Emotion ist daher in jedem Wahlkampf nötig.

10. Sei immer schön (zu) ehrlich und moralisch!

Wieder so ein kontroverser Punkt, der nicht leicht ist. Leider werden am Ende des Wahlkampfs aber keine Fairnesspreise vergeben. Wahlkampf ist am ehesten mit sportlichem Wettkampf zu vergleichen: Zwei Spieler bzw. Mannschaften kämpfen gegeneinander, doch der Schiedsrichter, in dem Fall die Wahlbevölkerung, sieht nicht jede Regelverletzung oder Grenzüberschreitung. Zudem wird nicht alles gleichermaßen kritisch oder unkritisch von der Wahlbevölkerung bewertet. Wenn Fairness und Moral von Wählern belohnt würden: Wie konnte Donald Trump dann US-Präsident werden?

11. Trenne Privates/Persönliches und Berufliches.

Wer eine Wahl verlieren will, sollte nichts über sich als Person und sein privates Umfeld preisgeben. Ganz nach dem Motto: Was geht es die Wähler an, was ich privat mache, entscheidend ist doch meine berufliche Kompetenz. Ähm (leider) nein! Denn wenn es niemand interessieren würde, warum sind Boulevard-Blätter wie Bild der Frau, Gala usw. deutlich erfolgreicher als Nachrichtenmagazine wie der Spiegel oder die Zeit. Ganz einfach: Weil Menschen nichts mehr interessiert, als andere Menschen und deren Geschichten. Im Zweifel wählen die Menschen nach Sympathie. Ein Bild der Kandidatin im Kreise der Familie oder bei einem interessanten Hobby sagt oft mehr, als herunter gespulte berufliche Stationen im Lebenslauf. Doch Vorsicht: Das heißt nicht, dass man direkt aus dem Schlafzimmer erzählen muss und den Fokus auf private Homestorys legen sollte. Es geht um die richtige Mischung. Die Leute wollen wissen, welcher Mensch steckt hinter der Kandidatur. Können sie diesem Kandidaten vertrauen? Können sie ihre Wünsche und Hoffnungen auf ihn projizieren? Und wie kann man dieses Bedürfnis besser befriedigen als ein dezenter Blick auf das unverstellte Privatleben?

12. Lass dich als Kandidat komplett verbiegen und sei nicht du selbst!

Woran erkennt man gute und schlechte Wahlkampfmanager/Agenturen/Wahlkampfteams? Wenn sie den Kandidaten so verbiegen, dass kaum mehr etwas von ihm übrig bleibt. Wie in der Liebe, im Job und so auch im Wahlkampf, sollten sich Kandidaten von ihrer Schokoseite präsentieren und negative Eigenschaften nicht in den Vordergrund stellen. Doch Ecken und Kanten dürfen nicht so glatt geschmirgelt werden, dass die Konturen nicht mehr erkennbar sind. Paradebeispiele hierfür sind Fotografen, die beim Wahlkampf ihre Photoshop-Skills zeigen wollen und aus dem Kandidaten eine retuschierte Kunstfigur machen. Allerdings ist Authentizität eine Voraussetzung für Vertrauen und Glaubwürdigkeit und damit die wichtigste Währung im politischen Geschäft. Spätestens wenn ein Kandidat unterwegs ist und von den Wählern nicht erkannt wird, ist beim Plakatmotiv was schiefgelaufen. Gute Kampagnenmenschen schneidern die Kampagne dem Kandidaten auf den Leib und fokussieren den Wahlkampf auf dessen Stärken. Schlechte Kampagnenmenschen stülpen dem Kandidaten eine Kampagne über und wundern sich hinterher, warum Kampagne und Kandidat nicht glaubwürdig waren.