Du bist mitten im Wahlkampf und hast ein mulmiges Gefühl, was den Ausgang der Wahl betrifft? Dann solltest du dir die folgende Liste genau anschauen und checken, ob und wie viele Punkte auf deinen Wahlkampf zutreffen. Willst du die Wahl verlieren, dann solltest du möglichst viele Punkte abhaken ;-). Hier die wichtigsten Verlierermethoden im Umgang mit dem Wahlvolk.

Verlierermethoden im Umgang mit Wählern

17. Nimm dich selbst als Maßstab – dein Bildungsniveau und dein Politikinteresse hat jeder!

In unseren Seminaren, Coachings und während des Wahlkampfes wiederholen wir es immer und immer wieder. 70% der Menschen geben in Umfragen an, dass sie sich wenig bis gar nicht für Politik interessieren. Das heißt nur 30% interessieren sich mäßig bis viel für Politik. Und in der Regel gehören Kandidaten und deren Wahlkampfteams schon zu den 5% der Bevölkerung, die sich sehr intensiv mit Politik beschäftigen. Meistens hat das Wahlkampfteam auch ein höheres Bildungsniveau als die durchschnittliche Bevölkerung und liest deutlich mehr Bücher, Zeitungen etc. Diese Erkenntnis über das allgemeine Politikinteresse ist so dermaßen wichtig für eine Kampagne, dass man sie nicht oft genug wiederholen kann. Denn es fällt schwerer, sich in eine eher unpolitische Bevölkerung rein zu versetzen, wenn man eine Wahlkampagne plant. Gefragt sind niederschwellige Politikangebote mit klarem Mehrwert für die Wähler. Ein Spiele- oder Grillfest für die ganze Familie, bei dem es auch ein Politikangebot gibt, ist fast immer erfolgreicher als eine Podiumsdiskussion.

Und wenn jetzt die Moralisten kommen, die sich darüber aufregen, dass sich die Leute nicht für Politik interessieren und man da doch was machen müsse und nicht zu seicht werde dürfe, denen rufen wir zu: Du kannst jetzt sehr viel Energie sinnlos investieren und versuchen, die Menschen umzuerziehen. Oder du arbeitest mit dieser Information, passt deine Kampagne daran an und gewinnst die Wahl.

18. Rede und schreibe wie in einem akademischen Proseminar!

Und jetzt sind wir fast selbst in die Falle getappt, weil vielleicht nicht alle wissen, was ein akademisches Proseminar ist ;-). Das Thema ist einer der Klassiker, mit der ein Kandidat sehr schnell maximale Distanz zu den Wählern aufbauen und damit als abgehoben gelten kann: Schön intellektuell sprechen mit vielen Fachbegriffen und unendlichen Schachtelsätzen, so dass es kaum einer kapiert. Kurze klare Sätze und eindeutige Botschaften sind das Mittel der Wahl. Hört sich einfach an, kriegen viele aber trotzdem nicht hin. Genauso unsäglich ist die Abkürzeritis. Beispiel gefällig: „Der BM hat das OA angewiesen die StVo bei ruhendem Verkehr stärker durchzusetzen.“ Sag doch einfach, der Bürgermeister möchte parkende Autos stärker überprüfen. Kapiert jeder, oder? Natürlich dürfen auch Politiker ihre eigene Sprache und Fachbegriffe verwenden, wäre ja auch langweilig ohne. Aber bitte untereinander und nicht, wenn man mit Menschen kommuniziert, die eben nicht täglich Politik machen.

19. Demotiviere die eigenen Wähler, Anhänger und Wahlkämpfer

Mache konsequent Politik gegen deine eigene Klientel. Strafe deine eigenen Wähler mit Missachtung und Arroganz. Nehmen jede Stimme als selbstverständlich an, jede ehrenamtliche Hilfe sowieso. Am Ende werden dir die entscheidenden Stimmen fehlen. Es werden Stimmen sein, mit denen du eigentlich fest gerechnet hattest.

20. Beschimpfe die Wähler und versuche sie zu erziehen

„Übrigens weiß ich es besser als du und Ahnung hast du eh keine“. Das sagt man garantiert keine drei Mal in einer Podiumsdiskussion. Bevormundung und Besserwisserei sind tödlich für den Wahlkampf. Das mussten die Grünen oder linke Parteien schon öfters erfahren. Die Konservativen haben es da etwas leichter, weil sie meistens keinen Utopien nachhängen, die einen „neuen Menschen“ erfordern. Man muss die Menschen im Kern sein lassen, wie sie sein möchten. Eine Empfehlung oder ein klarer Nutzen kann zu einer gewünschten Verhaltensänderung führen. Aber bitte nicht mit Bevormundung und Erziehung. Das kann selbst bei klarem Nutzen zu Trotzeffekten führen. Rabiate Wählerbeschimpfung ist eigentlich nie gut, selbst wenn es die eingefleischten Wähler des politischen Gegners sind. Das zeugt von mangelnder Souveränität und Respekt. Viel besser ist ein kleiner Gag oder eine gut vorgetragene Kritik.