Mehr Partizipation trotz Politikverdrossenheit?

Mehr Partizipation trotz Politikverdrossenheit? Wie passt das eigentlich zusammen? Politik- und Parteienverdrossenheit, Unzufriedenheit, Vertrauensschwund, Wahlenthaltung und grundsätzliche Abneigung zu allen politischen Themen sind wichtige Schlagwörter zur Beschreibung des Verhältnisses zwischen Bürgern und Politik. Im Fokus dieser „Politikerosion“ stehen aber primär die Parteien und Politiker, denn obwohl der Frust diesen gegenüber sehr groß ist, sind die Deutschen insgesamt relativ zufrieden mit der demokratischen Gesellschaftsform. In seiner Dissertation bringt es Hans-Peter Ketterl auf den Punkt: „Generell wird unsere freiheitliche Ordnung befürwortet, die Akteure scheinen aber so ziemlich jeden Kredit verspielt zu haben“ (Ketterl, Hans-Peter: Politische Kommunikation. Dissertation, München, 2004, S. 32). Ansehen des Berufspolitikers gering Diese Entwicklungen manifestieren sich auch am Ansehen des Berufspolitikers, der im Berufsranking regelmäßig einen der letzten Plätze belegt und damit nicht das Vertrauen der Bevölkerung genießt. Dieses schlechte Zeugnis erhält die politische Klasse auch bei Wahlen. Die Bürger wenden sich wegen Skandalen, Wortbrüchen und Dauerstreit, sowie mangels Vertrauen in die herkömmlichen Partizipationsmöglichkeiten von den Parteien und deren Politik ab und quittieren ihren Frust mit Nicht-, Protest-, und Wechselwählen. Sie sehen ihren Handlungsspielraum eher im individuellen und außerparlamentarischen Bereich, halten NGO´s, Wissenschaft und Wirtschaft für glaubwürdiger und stecken – alarmierend für die Politik – mehr Hoffnungen in die Problemlösungskompetenzen dieser Institutionen, als in Staat und Parteien. Deutsche sind parteien/politikerverdrossen, aber nicht politikverdrossen Diese Erkenntnisse könnten zu der Annahme führen, dass Deutschland unpolitisch sei. Doch das Verhältnis der...

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